In der Welt des Cognacs gleichen manche Begegnungen weniger einem Besuch als vielmehr dem Eintritt in ein eigenes Universum. Joël Rateau gehört zu jenen Winzern und Destillateuren, deren Persönlichkeit ebenso prägend ist wie ihre Eaux-de-vie. Neugierig, erfinderisch und aufmerksam hat er sich stets mit einer sehr eigenen Art durch die Welt bewegt und Maschinen, Natur und Zeit verstanden.
Die Geschichte der Familie Rateau ist zunächst in Malaville verwurzelt, dann in Maine Frugier in Nonaville, wo sich Joël Mitte der 1970er-Jahre mit Annie niederlässt. Als junger Winzer übernimmt er ab 1980 nach und nach die Arbeit im Weinberg und in der familiären Brennerei. Dort entfaltet sich sein Tüftlergeist in vollem Maß. In einer Zeit, in der es noch keine moderne Automatisierung gab, entwickelt Joël ein raffiniertes System aus mechanischen Weckern, um bestimmte Destillationsvorgänge auszulösen. Eine Erfindung ganz nach seinem Bild: praktisch, einfallsreich und frei.
Für À la Main haben wir sechs Fässer aus dem Domaine Rateau ausgewählt. Jedes davon trägt einen eigenen Ausdruck dieses Hauses in sich: die Aufmerksamkeit für den Wein, die Präzision des Feuers, die Geduld der Reifung und jene freudige Intensität, die wir in Joël wiederfinden.
Lauriane Dupré, Illustratorin-Interpretin dieser Ausgabe, hat sich dafür entschieden, diesen Geist in einem großen, bewegten Fresko zu übersetzen. Darin begegnen wir Joël im Weinberg, der Brennblase als lebendiger Maschine, Fässern in Bewegung, entstehenden Flaschen, aber auch den Zeichen seiner anderen Welten: Reisen, Jagd, Aubrac, Madeira, Thailand. Ihre Zeichnung erzählt von einem Mann, der erfindet, anpasst, beobachtet und weitergibt.
In sechs Etiketten aufgeteilt, begleitet dieses Fresko die sechs ausgewählten Fässer. Jede Flasche steht für sich, doch zusammen ergeben sie das Porträt eines Weinguts, eines Cognacs und eines Winzers-Destillateurs, der zutiefst à la main ist.